Gefühlte 50 Meter Toaster
August 3, 2007
Neulich verweigerte also der alte Blechtoaster mit 70er-Jahre-Design seine angestammte Aufgabe, das Brot zu bräunen. Es wurde nur noch schwarz.
Der Toaster kam in den Keller, wir in den Saturn.
Beim Anblick des Toasterregals überkommt einen leicht ein Gefühl der Überforderung. Eine unendlich lange Reihe von Geräten steht in einem unendlich langen Regal. Jedes mit anderem Design, anderen Funktionen, anderem Preis.
„… ich wollte doch nur einen Toaster, der mir mein Brot toastet…“
Der einzige Lichtblick: Die Geräte sind nach Preis sortiert. Aus der einen Richtung kommend marschiert man vorbei an pinkfarbenen Toastern mit schrägem Auswurf, Ausführungen in gebürstetem Edelstahl mit 10 Knöpfen, klappbaren Multifunktionsgeräten mit Grill und so weiter und so fort, bis wir also bei 25 Euro ankamen. Aber auch da gab es noch Varianten zur Auswahl: ein extra Auftauknopf? Beleuchtete Tasten? Eine Mechanik, die das Brot beim Toasten festklemmt? Diverse Formen und Farben von Brötchenhaltern und Runterdrückschaltern…
Dabei wollte ich doch nur einen Toaster. Am besten einen, der aussieht wie ein Toaster.
Einigten wir uns also nach großem Rätselraten auf dieses Kriterium: Welcher Toaster fühlt sich beim Runterdrücken des Runterdrückteils am wenigsten klapprig an?
So landeten wir bei Tefal express metallic. Es hätte auch jeder andere sein können.
Also liebe Toasterproduktmanager, ich hätte gern einen Toaster, der prototypisch aussieht. Den ich anschaue und denke: ja, das sieht aus wie ein Toaster. Kann ja auch ein altmodisches, einfaches Design sein, ohne beleuchtete Knöpfe.
Und liebe Saturnwareneinkäufer: Ich will gar nicht so viel Auswahl. Das ist mir zu stressig. Zwei Geräte pro Preisklasse sind vollkommen ausreichend.
Also mal sehen, wie in 20 Jahren das Toasterangebot ist. Expressbräunung? Automatische Brotanalyse mit kalorienreduzierender Schontoastung?
Oder back to the roots? Ich würde es begrüßen.
Abenteuerverpackung für Weichkäse
Juli 15, 2007
Heute morgen stellte sich mir am Frühstückstisch eine unerwartete Herausforderung.
Der Käse war anders verpackt. Und wie.
Dieser heißt Saint Albray, erworben an der Frischetheke im Rewe. Schmeckt ein bißchen wie Camembert, ist aber fester und milder.
Bisher waren die Stücken immer in Frischhaltefolie eingewickelt, und auf der Seite, wo die Folie zuende ist, war das Ettikett draufgeklebt. Das war schlecht zu öffnen und ein Ärgernis. Beim Versuch, das Etikett abzuziehen, zerrupfte man die Folie in kleine Stückchen, zerdrückte dabei den Käse und bematschte sich die Finger. Und das zum Frühstück.
Jetzt also eine neue Verpackung. Festeres Plastik. Verwirrung. Obenauf ein Schildchen: „Jetzt leichter zu öffnen!“ Und dazu viele kleine Pfeile in einer Reihe. Hm. An den Pfeilen auf dem Schild kann man nicht ziehen. Nähere Betrachtung der Verpackung: überall auf der Packung sind kleine Pfeile verstreut.
Einer der Pfeile ist auf einem Hubbel, der so aussieht wie ein Fehler beim Einschweißen. Aber man kann wenigstens anfassen. Auf gut Glück ziehe ich an dem Hubbel. Es geht. Ich ziehe weiter, um die Ecke, um die andere Ecke, um die Oberseite. Auf wundersame Weise entblättert sich der Käse. Wie habe ich das gemacht? Wie haben DIE das gemacht? Bleibt noch übrig ein Stück festes Plastik, das auf die Schnittkante des Käsestücks gelegt ist. Wahrscheinlich zur Stabilisierung. Habe das Gefühl mit einem Glückstreffer per Pfeil und Bogen einen ausgewachsenen Elch erlegt zu haben. Oder etwas ähnlich heldenhaftes vollbracht.
Der Käse schmeckt übrigens sehr gut mit Feigensenfsoße.
Antiker Schrank von eBay
Juli 11, 2007
Seit kurzem besitze ich das erste Mal in meinem Leben einen Schrank. Bisher stecken alle Kleidungsstücke zusammengequetscht in Bialitt, der Ikea-Kommode, die alle haben. Bei mir ist sie immerhin dunkel gebeizt, so dass ich mir immer einbilden konnte, sie passe ein wenig zu all den altmodischen Möbeln in meinem Zimmer. Als da wären: Ein Schreibtisch vom Großvater, ein Vitrinenschränkchen von der Sozialmöbelabgabe, eine Truhe aus einem leerstehenden Bauernhof, und ein Stuhl von der Schwiegeroma.
Um dem Zerknittern der Kleider entgegenzuwirken also, beschloss ich mir einen Schrank anzuschaffen. Moderne Möbel gefallen mir meistens nicht, schreinern lassen war zu teuer und die Sachen in den Antikläden waren meistens zu groß, zu häßlich und ebenfalls zu teuer. Also eBay. Die Freunde waren skeptisch. Ich auch. Aber was soll man machen.
Zuerst habe ich einige Schränke herausgesucht, die mir gefallen, und die einen niedrigen Startpreis hatten. Und beobachtet, wie teuer sie weggehen. Zwischen 300 und 800 Euro. Dazu kommen ja noch die Transportkosten per Spedition. Nicht restaurierte Schränke waren deutlich billiger. Ab 120 Euro. Das heißt, sie haben Schrammen, Wurmlöcher, abgeplatztes Furnier etc. Die zweite Option passt deutlich besser zu meinem Geldbeutel als auch zu den restlichen Möbeln im Zimmer.
Ich habe beispielsweise gesucht nach: Kleiderschränke vor 1945 oder Jugendstil Schrank,
und da waren etwa 2 bis 3 passende Angebote pro Woche dabei.
Oft habe ich vergeblich gesteigert und mich seeehr geärgert, immer fuchst noch jemand dazwischen, eine Sekunde vor dem Ende. Zum Glück gibt es auf Netvibes dieses praktische Widget, mit dem man die eBay-Watchlist immer im Auge haben kann.
Irgendwann aber erschollen auch aus meinem Zimmer Jubelrufe, denn ich habe für nur 230 Euro einen wunderschönen Jugendstilschrank ersteigert, mit kleinen Fensterchen und Messingbeschlägen und überhaupt wunderschön. Der Versand sollte 100 Euro kosten, mit einem Spediteur, den der Verkäufer (ein Antikhändler irgendwo in Niedersachsen) kennt. Es dauerte Wochen bis er endlich da war, das war wirklich ein Nachteil. Andererseits habe ich ja auch all die Jahre ohne Schrank überlebt.
Er roch nach altem Holz und Mottenkugeln, und jetzt auch nach Sagrotan (mit dem wir ihn erstmal eingesprüht haben). Alle Mängel waren wie beschrieben, also in Ordnung. Ich habe ihn noch mit Möbelpolitur eingerieben und jetzt glänzt das Holz auch wieder richtig.
Fazit: Hat lange gedauert, aber hat sich gelohnt. Für 330 Euro hätte ich vor Ort niemals so einen schönen Schrank bekommen.