Abenteuerverpackung für Weichkäse
Juli 15, 2007
Heute morgen stellte sich mir am Frühstückstisch eine unerwartete Herausforderung.
Der Käse war anders verpackt. Und wie.
Dieser heißt Saint Albray, erworben an der Frischetheke im Rewe. Schmeckt ein bißchen wie Camembert, ist aber fester und milder.
Bisher waren die Stücken immer in Frischhaltefolie eingewickelt, und auf der Seite, wo die Folie zuende ist, war das Ettikett draufgeklebt. Das war schlecht zu öffnen und ein Ärgernis. Beim Versuch, das Etikett abzuziehen, zerrupfte man die Folie in kleine Stückchen, zerdrückte dabei den Käse und bematschte sich die Finger. Und das zum Frühstück.
Jetzt also eine neue Verpackung. Festeres Plastik. Verwirrung. Obenauf ein Schildchen: „Jetzt leichter zu öffnen!“ Und dazu viele kleine Pfeile in einer Reihe. Hm. An den Pfeilen auf dem Schild kann man nicht ziehen. Nähere Betrachtung der Verpackung: überall auf der Packung sind kleine Pfeile verstreut.
Einer der Pfeile ist auf einem Hubbel, der so aussieht wie ein Fehler beim Einschweißen. Aber man kann wenigstens anfassen. Auf gut Glück ziehe ich an dem Hubbel. Es geht. Ich ziehe weiter, um die Ecke, um die andere Ecke, um die Oberseite. Auf wundersame Weise entblättert sich der Käse. Wie habe ich das gemacht? Wie haben DIE das gemacht? Bleibt noch übrig ein Stück festes Plastik, das auf die Schnittkante des Käsestücks gelegt ist. Wahrscheinlich zur Stabilisierung. Habe das Gefühl mit einem Glückstreffer per Pfeil und Bogen einen ausgewachsenen Elch erlegt zu haben. Oder etwas ähnlich heldenhaftes vollbracht.
Der Käse schmeckt übrigens sehr gut mit Feigensenfsoße.
Antiker Schrank von eBay
Juli 11, 2007
Seit kurzem besitze ich das erste Mal in meinem Leben einen Schrank. Bisher stecken alle Kleidungsstücke zusammengequetscht in Bialitt, der Ikea-Kommode, die alle haben. Bei mir ist sie immerhin dunkel gebeizt, so dass ich mir immer einbilden konnte, sie passe ein wenig zu all den altmodischen Möbeln in meinem Zimmer. Als da wären: Ein Schreibtisch vom Großvater, ein Vitrinenschränkchen von der Sozialmöbelabgabe, eine Truhe aus einem leerstehenden Bauernhof, und ein Stuhl von der Schwiegeroma.
Um dem Zerknittern der Kleider entgegenzuwirken also, beschloss ich mir einen Schrank anzuschaffen. Moderne Möbel gefallen mir meistens nicht, schreinern lassen war zu teuer und die Sachen in den Antikläden waren meistens zu groß, zu häßlich und ebenfalls zu teuer. Also eBay. Die Freunde waren skeptisch. Ich auch. Aber was soll man machen.
Zuerst habe ich einige Schränke herausgesucht, die mir gefallen, und die einen niedrigen Startpreis hatten. Und beobachtet, wie teuer sie weggehen. Zwischen 300 und 800 Euro. Dazu kommen ja noch die Transportkosten per Spedition. Nicht restaurierte Schränke waren deutlich billiger. Ab 120 Euro. Das heißt, sie haben Schrammen, Wurmlöcher, abgeplatztes Furnier etc. Die zweite Option passt deutlich besser zu meinem Geldbeutel als auch zu den restlichen Möbeln im Zimmer.
Ich habe beispielsweise gesucht nach: Kleiderschränke vor 1945 oder Jugendstil Schrank,
und da waren etwa 2 bis 3 passende Angebote pro Woche dabei.
Oft habe ich vergeblich gesteigert und mich seeehr geärgert, immer fuchst noch jemand dazwischen, eine Sekunde vor dem Ende. Zum Glück gibt es auf Netvibes dieses praktische Widget, mit dem man die eBay-Watchlist immer im Auge haben kann.
Irgendwann aber erschollen auch aus meinem Zimmer Jubelrufe, denn ich habe für nur 230 Euro einen wunderschönen Jugendstilschrank ersteigert, mit kleinen Fensterchen und Messingbeschlägen und überhaupt wunderschön. Der Versand sollte 100 Euro kosten, mit einem Spediteur, den der Verkäufer (ein Antikhändler irgendwo in Niedersachsen) kennt. Es dauerte Wochen bis er endlich da war, das war wirklich ein Nachteil. Andererseits habe ich ja auch all die Jahre ohne Schrank überlebt.
Er roch nach altem Holz und Mottenkugeln, und jetzt auch nach Sagrotan (mit dem wir ihn erstmal eingesprüht haben). Alle Mängel waren wie beschrieben, also in Ordnung. Ich habe ihn noch mit Möbelpolitur eingerieben und jetzt glänzt das Holz auch wieder richtig.
Fazit: Hat lange gedauert, aber hat sich gelohnt. Für 330 Euro hätte ich vor Ort niemals so einen schönen Schrank bekommen.