Seit kurzem besitze ich das erste Mal in meinem Leben einen Schrank. Bisher stecken alle Kleidungsstücke zusammengequetscht in Bialitt, der Ikea-Kommode, die alle haben. Bei mir ist sie immerhin dunkel gebeizt, so dass ich mir immer einbilden konnte, sie passe ein wenig zu all den altmodischen Möbeln in meinem Zimmer. Als da wären: Ein Schreibtisch vom Großvater, ein Vitrinenschränkchen von der Sozialmöbelabgabe, eine Truhe aus einem leerstehenden Bauernhof, und ein Stuhl von der Schwiegeroma.

Um dem Zerknittern der Kleider entgegenzuwirken also, beschloss ich mir einen Schrank anzuschaffen. Moderne Möbel gefallen mir meistens nicht, schreinern lassen war zu teuer und die Sachen in den Antikläden waren meistens zu groß, zu häßlich und ebenfalls zu teuer. Also eBay. Die Freunde waren skeptisch. Ich auch. Aber was soll man machen.

Zuerst habe ich einige Schränke herausgesucht, die mir gefallen, und die einen niedrigen Startpreis hatten. Und beobachtet, wie teuer sie weggehen. Zwischen 300 und 800 Euro. Dazu kommen ja noch die Transportkosten per Spedition. Nicht restaurierte Schränke waren deutlich billiger. Ab 120 Euro. Das heißt, sie haben Schrammen, Wurmlöcher, abgeplatztes Furnier etc. Die zweite Option passt deutlich besser zu meinem Geldbeutel als auch zu den restlichen Möbeln im Zimmer. :-)

Ich habe beispielsweise gesucht nach: Kleiderschränke vor 1945 oder Jugendstil Schrank,
und da waren etwa 2 bis 3 passende Angebote pro Woche dabei.

Oft habe ich vergeblich gesteigert und mich seeehr geärgert, immer fuchst noch jemand dazwischen, eine Sekunde vor dem Ende. Zum Glück gibt es auf Netvibes dieses praktische Widget, mit dem man die eBay-Watchlist immer im Auge haben kann.

Irgendwann aber erschollen auch aus meinem Zimmer Jubelrufe, denn ich habe für nur 230 Euro einen wunderschönen Jugendstilschrank ersteigert, mit kleinen Fensterchen und Messingbeschlägen und überhaupt wunderschön. Der Versand sollte 100 Euro kosten, mit einem Spediteur, den der Verkäufer (ein Antikhändler irgendwo in Niedersachsen) kennt. Es dauerte Wochen bis er endlich da war, das war wirklich ein Nachteil. Andererseits habe ich ja auch all die Jahre ohne Schrank überlebt.

Er roch nach altem Holz und Mottenkugeln, und jetzt auch nach Sagrotan (mit dem wir ihn erstmal eingesprüht haben). Alle Mängel waren wie beschrieben, also in Ordnung. Ich habe ihn noch mit Möbelpolitur eingerieben und jetzt glänzt das Holz auch wieder richtig.

Fazit: Hat lange gedauert, aber hat sich gelohnt. Für 330 Euro hätte ich vor Ort niemals so einen schönen Schrank bekommen.

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